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Wissen · Richtlinien

WCAG 2.2 verständlich erklärt

Die WCAG sind der Maßstab für barrierefreie Websites, auch im BFSG. Hier erklären wir WCAG 2.2 verständlich und ohne Fachchinesisch, mit Beispielen für jedes Prinzip.

Grundlagen

Was die WCAG sind und wer sie festlegt

Die Web Content Accessibility Guidelines, kurz WCAG, sind internationale Richtlinien für barrierefreie Webinhalte. Herausgegeben werden sie vom World Wide Web Consortium, kurz W3C. Die erste Fassung der heutigen Reihe erschien 2008 als WCAG 2.0, im Jahr 2018 folgte WCAG 2.1 mit Regeln für Mobilgeräte, und seit Oktober 2023 gilt WCAG 2.2 als aktuelle Fassung.

Die Richtlinien beschreiben nicht, wie eine Website aussehen soll, sondern was sie leisten muss. Jedes Erfolgskriterium ist so formuliert, dass sich prüfen lässt, ob es erfüllt ist oder nicht. Das macht die WCAG zu einer guten Grundlage für Gesetze, denn sie sind verständlich erklärt und trotzdem genau genug, um sie verlässlich zu prüfen.

Gesetze wie das BFSG und die BITV 2.0 verweisen nicht direkt auf die WCAG, sondern auf die europäische Norm EN 301 549. Diese übernimmt für Webinhalte die Kriterien der WCAG in der Stufe AA. Wer die WCAG 2.2 in der Stufe AA erfüllt, ist deshalb auch für die kommenden Fassungen der Norm gut vorbereitet.

Vier Prinzipien

Die vier Prinzipien der WCAG 2.2

  • Wahrnehmbar

    Inhalte erreichen mehr als einen Sinn

    • Alternativtexte für Bilder
    • Untertitel für Videos
    • Kontrast von mindestens 4,5 zu 1
    • Text lässt sich vergrößern
    Ratgeber Farbkontrast lesen
  • Bedienbar

    Alles funktioniert auch ohne Maus

    • Vollständig mit Tastatur bedienbar
    • Sichtbarer Fokus
    • Genug Zeit, keine blinkenden Inhalte
    • Klickflächen ab 24 Pixel
    Ratgeber Tastatur lesen
  • Verständlich

    Texte und Abläufe sind klar

    • Sprache der Seite angegeben
    • Formulare mit Labels und Hilfe
    • Fehler werden erklärt
    • Gleiche Dinge heißen gleich
    Ratgeber Formulare lesen
  • Robust

    Hilfsmittel können alles auslesen

    • Sauberer, gültiger Code
    • Echte Bauteile statt Nachbauten
    • Name, Rolle und Zustand bekannt
    • Statusmeldungen werden angesagt
    Ratgeber Struktur lesen
Stufen

A, AA und AAA: welche Stufe du brauchst

A

Die Grundlage. Ohne diese Kriterien ist eine Seite für manche Menschen gar nicht nutzbar, etwa ohne Alternativtexte oder ohne Tastaturbedienung.

AA

Der Maßstab für das BFSG und die meisten Gesetze. Hinzu kommen unter anderem Kontraste, Zoom, sichtbarer Fokus und verständliche Fehlermeldungen.

AAA

Die höchste Stufe mit erhöhtem Kontrast, Gebärdensprache und einfacher Sprache. Für ganze Websites selten vollständig erreichbar, in Teilen aber sinnvoll.

Neu in 2.2

Die neun neuen Kriterien in WCAG 2.2

WCAG 2.2 hat neun Kriterien ergänzt und eines gestrichen. Die neuen Regeln betreffen vor allem Menschen mit motorischen und kognitiven Einschränkungen und machen Websites für alle angenehmer zu bedienen.

  • 2.4.11
    Fokus nicht verdeckt (Minimum)

    Der Fokus wird nicht vollständig von festen Kopfzeilen, Bannern oder Chatfenstern verdeckt.

    Stufe AA
  • 2.4.12
    Fokus nicht verdeckt (erweitert)

    Der Fokus ist überhaupt nicht verdeckt.

    Stufe AAA
  • 2.4.13
    Fokus-Darstellung

    Der Fokusrahmen ist groß genug und hat ausreichend Kontrast.

    Stufe AAA
  • 2.5.7
    Ziehbewegungen

    Was sich durch Ziehen bedienen lässt, geht auch mit einfachem Tippen oder Klicken.

    Stufe AA
  • 2.5.8
    Zielgröße (Minimum)

    Klickflächen sind mindestens 24 mal 24 Pixel groß oder haben genug Abstand.

    Stufe AA
  • 3.2.6
    Konsistente Hilfe

    Hilfe wie Kontakt oder Chat steht auf allen Seiten an derselben Stelle.

    Stufe A
  • 3.3.7
    Redundante Eingabe

    Schon gemachte Angaben müssen nicht noch einmal eingetippt werden.

    Stufe A
  • 3.3.8
    Zugängliche Anmeldung (Minimum)

    Keine Rätsel oder Gedächtnistests zur Anmeldung, Passwortmanager sind erlaubt.

    Stufe AA
  • 3.3.9
    Zugängliche Anmeldung (erweitert)

    Auch keine Aufgaben zum Erkennen von Bildern oder Objekten.

    Stufe AAA
Fragen

Häufige Fragen zur WCAG

Was bedeutet WCAG?

WCAG steht für Web Content Accessibility Guidelines, die Richtlinien für barrierefreie Webinhalte. Sie werden vom World Wide Web Consortium herausgegeben, dem Gremium, das auch die Grundlagen des Webs festlegt.

Welche WCAG-Stufe brauche ich für das BFSG?

Die Stufe AA. Sie umfasst alle Kriterien der Stufen A und AA. Die Stufe AAA ist für ganze Websites kaum vollständig erreichbar und wird nicht verlangt, einzelne Kriterien daraus sind aber gute Ziele.

Was ist der Unterschied zwischen WCAG 2.1 und 2.2?

WCAG 2.2 ergänzt neun neue Kriterien, etwa zu Klickflächen, verdecktem Fokus und Anmeldungen, und streicht das veraltete Kriterium 4.1.1 zur Syntaxprüfung. Wer 2.2 erfüllt, erfüllt auch 2.1.

Kommt bald WCAG 3?

An WCAG 3 wird gearbeitet, es soll die Bewertung grundlegend verändern. Bis es fertig ist und in Normen und Gesetze einfließt, wird es noch dauern. Für heute und die nächsten Jahre ist WCAG 2.2 der Maßstab.

Was ist die BITV 2.0?

Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung gilt für öffentliche Stellen des Bundes und verweist ebenfalls auf die europäische Norm und damit auf die WCAG. Für Unternehmen ist das BFSG maßgeblich.

WCAG 2.2 für deine Website

Wir prüfen alle Kriterien der Stufe AA an deiner Website und erklären dir jedes Ergebnis in verständlicher Sprache.