Barrierefreie Videos: Untertitel und Transkript
Ein Video ohne Untertitel bleibt für gehörlose Menschen stumm, und wer im Zug ohne Kopfhörer sitzt, schaut genauso ratlos zu. So werden barrierefreie Videos daraus.
Videos und Untertitel: vorher und nachher
Dasselbe Video, einmal stumm für alle ohne Ton, einmal mit Untertiteln und Transkript. Den Regler bedienst du mit der Maus, mit dem Finger oder mit den Pfeiltasten.
Warum barrierefreie Videos mehr Menschen erreichen
Videos sind beliebt, aber sie schließen schnell Menschen aus. Wer gehörlos oder schwerhörig ist, braucht Untertitel, die nicht nur die Sprache, sondern auch wichtige Geräusche wiedergeben. Wer blind ist, braucht eine Beschreibung dessen, was im Bild passiert und nicht gesagt wird. Ohne beides bleibt ein Video für viele unverständlich.
Untertitel helfen weit über diese Gruppen hinaus. Viele Menschen schauen Videos am Handy ohne Ton, in der Bahn, im Büro oder spät abends neben dem schlafenden Kind. Andere verstehen gesprochenes Deutsch schlecht oder lesen lieber mit. Ein Transkript macht den Inhalt außerdem für Suchmaschinen lesbar, die den Ton eines Videos nicht auswerten.
Schließlich muss der Player selbst bedienbar sein. Start, Pause, Lautstärke und Untertitel müssen sich mit der Tastatur steuern lassen und für Screenreader beschriftet sein. Videos sollten nicht von selbst mit Ton starten, und Hintergrundvideos, die länger als fünf Sekunden laufen, brauchen eine Möglichkeit zum Anhalten.
Was die WCAG hier verlangen
- 1.2.2 Stufe AUntertitel (aufgezeichnet)
Aufgezeichnete Videos mit Ton haben Untertitel für Sprache und wichtige Geräusche.
- 1.2.3 Stufe AAudiodeskription oder Alternative
Was nur im Bild passiert, wird beschrieben, entweder gesprochen oder als Text.
- 1.2.5 Stufe AAAudiodeskription (aufgezeichnet)
Für die Stufe AA ist eine gesprochene Beschreibung wichtiger Bildinhalte vorgesehen.
- 1.4.2 Stufe AAudio-Steuerelement
Ton, der von selbst länger als drei Sekunden läuft, lässt sich anhalten oder leiser stellen.
- 2.2.2 Stufe APausieren, Stoppen, Ausblenden
Bewegte Inhalte, die länger als fünf Sekunden laufen, lassen sich anhalten.
So machst du deine Videos barrierefrei
- Untertitel prüfen, nicht nur erzeugen
Automatische Untertitel sind ein guter Anfang, aber voller Fehler bei Namen und Fachwörtern. Lies sie Zeile für Zeile gegen und ergänze wichtige Geräusche in Klammern.
- Transkript unter das Video
Ein ausführliches Transkript mit allen gesprochenen Inhalten und Bildbeschreibungen hilft blinden und gehörlosen Menschen gleichermaßen und wird von Suchmaschinen gelesen.
- Bildinhalte mitsprechen
Plane schon beim Dreh, dass wichtige Informationen auch gesagt werden. Wer im Video „wie Sie hier sehen“ vermeidet, braucht später weniger Audiodeskription.
- Einen bedienbaren Player wählen
Nutze einen Player, der sich mit der Tastatur steuern lässt, beschriftete Knöpfe hat und Untertitel anbietet. Prüfe das selbst, bevor du ihn einbaust.
<video src="film.mp4"
autoplay></video> <video controls>
<source src="film.mp4">
<track kind="captions"
src="film.de.vtt"
srclang="de" label="Deutsch">
</video> Ein Video ohne Steuerung und ohne Untertitel startet ungefragt. Mit controls und einer Untertitelspur lässt es sich bedienen und mitlesen.
Fragen zu Videos und Untertitel
Reichen automatische Untertitel?
Nein. Automatisch erzeugte Untertitel enthalten oft Fehler und keine Geräusche. Sie sind ein Entwurf, den du vor der Veröffentlichung prüfen und korrigieren solltest.
Brauche ich immer eine Audiodeskription?
Nur wenn im Bild Informationen gezeigt werden, die nicht gesagt werden. Ein Interview mit sprechenden Köpfen braucht keine, ein Erklärvideo mit Bildschirmaufnahmen meist schon.
Was ist mit Videos von YouTube?
Auch eingebettete Videos müssen barrierefrei sein. YouTube bietet Untertitel an, du musst sie aber pflegen. Achte zusätzlich auf den Datenschutz beim Einbetten.
Weitere Ratgeber zur Barrierefreiheit
- Warum Hellgrün auf Weiß niemand lesen kann
- Lesbar auch mit 200 Prozent Zoom
- Was ein Screenreader statt des Fotos vorliest
- Jeder Knopf erreichbar, der Fokus immer sichtbar
- Beschriftung, Fehlermeldung und genug Zeit
- Nie wieder „hier klicken“, immer groß genug
- Eine Gliederung, die man auch hören kann
- Bewegung, die man anhalten kann
- Kurze Sätze, bekannte Wörter, klare Schritte
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