Barrierefreie Formulare: Labels, Fehler, Hilfe
An Formularen scheitern die meisten Bestellungen und Anfragen. Mit klaren Labels, verständlichen Fehlern und etwas Hilfe werden barrierefreie Formulare für alle leichter.
Barrierefreie Formulare: vorher und nachher
Links verschwindet die Beschriftung beim Tippen. Rechts bleibt sie stehen, und der Fehler wird erklärt. Den Regler bedienst du mit der Maus, mit dem Finger oder mit den Pfeiltasten.
Warum barrierefreie Formulare über Anfragen entscheiden
Ein Formular ist oft der wichtigste Moment auf einer Website, denn hier wird aus einem Besucher ein Kunde. Gleichzeitig sind Formulare besonders fehleranfällig. Laut der Auswertung WebAIM Million 2025 fehlten auf fast der Hälfte der meistbesuchten Startseiten Beschriftungen an Eingabefeldern, und wer ein Feld nicht versteht, füllt es nicht aus.
Ein typischer Fehler ist der Platzhalter als einzige Beschriftung. Er sieht aufgeräumt aus, verschwindet aber, sobald man tippt, ist meist zu hell und wird von manchen Screenreadern nicht zuverlässig vorgelesen. Wer abgelenkt wird oder nachprüfen will, ob er das richtige Feld erwischt hat, steht dann vor einem leeren Kasten.
Mindestens genauso wichtig sind Fehlermeldungen. Ein rot umrandetes Feld ohne Erklärung bemerken viele nicht, und wer Rot und Grün schlecht unterscheidet, sieht es gar nicht. Gute Fehlermeldungen stehen als Text direkt am Feld, sagen genau, was fehlt, und schlagen eine Lösung vor. WCAG 2.2 verlangt zudem, dass Menschen dieselben Angaben nicht ständig neu eingeben müssen.
Was die WCAG hier verlangen
- 1.3.1 Stufe AInfo und Beziehungen
Beschriftungen sind im Code mit ihrem Feld verbunden, Gruppen wie Anrede oder Zahlungsart sind als Gruppe ausgezeichnet.
- 3.3.1 Stufe AFehlererkennung
Ein Fehler wird erkannt und als Text beschrieben, nicht nur über Farbe.
- 3.3.2 Stufe ABeschriftungen oder Anweisungen
Jedes Feld hat eine sichtbare Beschriftung, Pflichtfelder und Formate sind vorher erklärt.
- 3.3.3 Stufe AAFehlerkorrektur
Wenn bekannt ist, wie es richtig geht, schlägt die Meldung eine Korrektur vor.
- 3.3.7 Stufe ARedundante Eingabe
Neu in WCAG 2.2: Bereits gemachte Angaben werden übernommen oder zur Auswahl angeboten.
- 3.3.8 Stufe AAZugängliche Anmeldung
Neu in WCAG 2.2: Keine Rätsel zur Anmeldung, Einfügen von Passwörtern und Passwortmanager sind erlaubt.
Was barrierefreie Formulare richtig machen
- Sichtbare Labels über dem Feld
Jedes Feld bekommt eine Beschriftung, die über dem Feld steht und beim Tippen nicht verschwindet. Im Code ist das Label über das Attribut for mit dem Feld verbunden.
- Fehler als Text am Feld
Zeige Fehler direkt unter dem Feld als Text mit einem Symbol, verbunden über aria-describedby. Fasse bei langen Formularen alle Fehler zusätzlich oben zusammen.
- Autovervollständigung erlauben
Mit dem Attribut autocomplete füllen Browser und Passwortmanager Name, Adresse und E-Mail automatisch aus. Das spart Zeit und verhindert Tippfehler.
- Kein Rätsel zur Kontrolle
Bilder-Captchas sind für blinde Menschen und viele andere eine Sackgasse. Unsichtbare Sperren gegen Spam, etwa Fallenfelder und eine Mindestzeit, schützen genauso gut.
<input type="email"
placeholder="E-Mail"> <label for="mail">
E-Mail-Adresse
</label>
<input id="mail" type="email"
autocomplete="email"
aria-describedby="mail-fehler">
<p id="mail-fehler">
Bitte gib die vollständige
Adresse ein.
</p> Ein Platzhalter ist keine Beschriftung. Ein verbundenes Label, Autovervollständigung und eine verknüpfte Fehlermeldung machen das Feld für alle verständlich.
Fragen zu Barrierefreie Formulare
Reicht ein Platzhalter als Beschriftung?
Nein. Der Platzhalter verschwindet beim Tippen und ist meist zu hell. Jedes Feld braucht eine sichtbare Beschriftung, der Platzhalter darf höchstens ein Beispiel zeigen.
Wie markiere ich Pflichtfelder?
Erkläre am Anfang des Formulars, wie Pflichtfelder gekennzeichnet sind, etwa mit einem Stern, und setze im Code zusätzlich das Attribut required.
Sind Captchas erlaubt?
Bilderrätsel sind für viele Menschen nicht lösbar. WCAG 2.2 verlangt für Anmeldungen einen Weg ohne kognitive Tests. Unsichtbare Spamsperren sind die bessere Lösung.
Weitere Ratgeber zur Barrierefreiheit
- Warum Hellgrün auf Weiß niemand lesen kann
- Lesbar auch mit 200 Prozent Zoom
- Was ein Screenreader statt des Fotos vorliest
- Jeder Knopf erreichbar, der Fokus immer sichtbar
- Nie wieder „hier klicken“, immer groß genug
- Eine Gliederung, die man auch hören kann
- Untertitel, Transkript und Audiodeskription
- Bewegung, die man anhalten kann
- Kurze Sätze, bekannte Wörter, klare Schritte
Wie steht deine Website da?
Wir prüfen deine Seite auf diese und alle anderen Barrieren und schicken dir einen Bericht, der sagt, was zuerst dran ist.