Animationen barrierefrei: Bewegung, die man anhalten kann
Bewegung macht eine Seite lebendig, kann aber Schwindel auslösen und vom Lesen ablenken. Diese Website ist voller Animationen und trotzdem barrierefrei. So geht das.
Animationen und Bewegung: vorher und nachher
Links läuft alles ohne Pause. Rechts hat jemand auf „Bewegung anhalten“ gedrückt. Den Regler bedienst du mit der Maus, mit dem Finger oder mit den Pfeiltasten.
Warum Animationen barrierefrei gestaltet werden müssen
Für viele Menschen ist Bewegung auf Websites mehr als eine Ablenkung. Wer an einer Störung des Gleichgewichtsorgans leidet, bekommt von großen Parallaxeffekten oder heranzoomenden Bildern Schwindel und Übelkeit. Menschen mit Aufmerksamkeitsstörungen oder Lernschwierigkeiten können sich neben einem laufenden Karussell kaum auf den Text konzentrieren.
Am gefährlichsten ist Blinken. Inhalte, die mehr als dreimal pro Sekunde aufleuchten, können bei Menschen mit fotosensitiver Epilepsie Anfälle auslösen. Deshalb gehört schnelles Flackern auf keine Website, auch nicht in Werbebanner oder eingebettete Videos. Hier gibt es keinen Spielraum, die Regel gilt schon in der niedrigsten Stufe.
Das heißt nicht, dass eine barrierefreie Website still sein muss. Diese Seite zeigt, wie es geht. Alle Animationen folgen dem Scrollen, nichts blinkt, und oben rechts hält ein Schalter jede Bewegung sofort an. Wer in seinem Betriebssystem reduzierte Bewegung eingestellt hat, sieht die Szenen von Anfang an in ihrem ruhigen Endzustand.
Was die WCAG hier verlangen
- 2.2.2 Stufe APausieren, Stoppen, Ausblenden
Bewegung, die von selbst startet und länger als fünf Sekunden läuft, lässt sich anhalten, stoppen oder ausblenden.
- 2.3.1 Stufe AGrenzwert von dreimaligem Blitzen
Nichts blinkt öfter als dreimal pro Sekunde, es sei denn, es liegt unter den Grenzwerten.
- 2.3.3 Stufe AAAAnimation aus Interaktionen
Bewegung, die durch Scrollen oder Klicken entsteht, lässt sich abschalten, sofern sie nicht wesentlich ist.
- 2.2.1 Stufe AZeitlimits anpassbar
Inhalte, die von selbst weiterspringen, geben genug Zeit oder lassen sich anhalten.
So bleiben Animationen barrierefrei und trotzdem lebendig
- Reduzierte Bewegung achten
Die Einstellung prefers-reduced-motion im Betriebssystem ist ein klares Signal. Zeige diesen Besuchern ruhige Übergänge oder den Endzustand ohne Bewegung.
- Einen Schalter anbieten
Ein gut sichtbarer Schalter „Bewegung“ in der Kopfzeile hält alle Animationen an, auch für Menschen, die die Systemeinstellung nicht kennen.
- Karussells mit Halt
Laufende Karussells brauchen einen Pause-Knopf, sollten beim Hover und Fokus anhalten und lassen sich besser ganz durch eine ruhige Liste ersetzen.
- Bewegung mit Bedeutung
Jede Animation sollte etwas erklären. Was nur dekoriert, darf leise sein, kurz bleiben und muss nie in Schleife laufen.
.banner {
animation: blinken 0.2s infinite;
} @media (prefers-reduced-motion: reduce) {
*, *::before, *::after {
animation: none !important;
transition: none !important;
}
} Fünf Blitze pro Sekunde überschreiten den Grenzwert. Die Medienabfrage für reduzierte Bewegung schaltet Animationen für alle ab, die das wünschen.
Fragen zu Animationen und Bewegung
Sind Animationen auf barrierefreien Websites verboten?
Nein. Bewegung ist erlaubt, wenn sie nicht blinkt, sich anhalten lässt und die Einstellung für reduzierte Bewegung respektiert. Diese Website ist das Beispiel dafür.
Was bedeutet prefers-reduced-motion?
Das ist eine Einstellung in Windows, macOS, iOS und Android, mit der Menschen weniger Bewegung anfordern. Websites können sie per CSS oder JavaScript abfragen und Animationen reduzieren.
Sind Autoplay-Videos erlaubt?
Nur ohne Ton oder mit einer leicht erreichbaren Möglichkeit, den Ton und die Wiedergabe zu stoppen. Laufen sie länger als fünf Sekunden, brauchen sie eine Pause.
Weitere Ratgeber zur Barrierefreiheit
- Warum Hellgrün auf Weiß niemand lesen kann
- Lesbar auch mit 200 Prozent Zoom
- Was ein Screenreader statt des Fotos vorliest
- Jeder Knopf erreichbar, der Fokus immer sichtbar
- Beschriftung, Fehlermeldung und genug Zeit
- Nie wieder „hier klicken“, immer groß genug
- Eine Gliederung, die man auch hören kann
- Untertitel, Transkript und Audiodeskription
- Kurze Sätze, bekannte Wörter, klare Schritte
Wie steht deine Website da?
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